Eingabe zur Lehrerversorgung gescheitert

Im Mainecho vom 21.07.2017 erschient ein Artikel zur gescheiterten Eingabe zur Lehrerversorgung am Untermain. Herr Rüth sprach im Landtagsausschuss gegen eine „Lex Bayerischer Untermain“, da die Lehrerversorgung in seinen Augen gesichert sei. Dies sei auch die einzig relevante Frage. Grund genug für Christa Chevalier-Eizenhöfer, 2. Vorsitzende im BLLV Kreisverband Aschaffenburg Land, einen Leserbrief zu verfassen.

Herr Rüth, Abgeordneter aus Eschau, spricht im Landtagsausschuss für Fragen des öffentlichen Dienstes gegen eine geforderte „Lex Bayerischer Untermain“. „Einzig relevante Frage sei, ob die Lehrerversorgung am bayerischen Untermain sichergestellt sei.“ Für ihn könne dies „ganz klar, ja!“ beantwortet werden.
Was die politisch Verantwortlichen völlig außer Acht lassen ist die Tatsache, dass die bedarfsgerechte Zuweisung von Lehrerstunden für Unterfranken und insbesondere den Raum Untermain sich nicht rein an den Schülerzahlen ermitteln lässt. In Unterfranken ist die Zahl der kleinen und Kleinst-Schulen besonders hoch ist. 252 Grundschulen haben 4 – 7 Klassen mit im Schnitt 22 Schülern. Der Anteil dieser Schulen beträgt in Unterfranken 50%, in Oberbayern im Vergleich dazu dagegen nur 20%. Zur Abdeckung des Unterrichts in diesen kleinen Schulen ist wesentlich mehr Personal notwendig. Da sich der Zuweisungsschlüssel ausschließlich nach Schülerzahlen richtet, reichen die errechneten Lehrerstunden gerade mal für die Deckung des Kernunterrichts. Unterfranken benötigt daher zusätzliche Stunden aus dem Gesamttopf um der Situation Rechnung zu tragen und den politischen Willen, kleine Schulorte zu erhalten.
Wie die Lage in der Region ist, zeigt beispielsweise ein Besuch von Vertretern des ULLV, Politikern aller Fraktionen, Elternbeirat und der Schulaufsicht in der Mittelschule Elsenfeld.
In einer 7. Regelklasse, die Dank der Migrationsteilung nur 13, dafür aber besonders schwierige Schüler hat, unterrichtet eine Kollegin mit der 1. Lehramtsprüfung. Ab September kommt sie ins Seminar und wird dann dort all das lernen, was sie jetzt bereits machen muss.
In der besuchten Übergangsklasse (ausschließlich Schüler mit Migrationshintergrund) rief nicht nur die breite Streuung von Alter und Leistungsstand der Schüler Erstaunen hervor, sondern auch, dass diese Klasse von einer Fachlehrerin unterrichtet wurde, die für ihren Fachbereich keine Anstellung bekommen hat. Weiterhin unterrichten in den 17 Klassen noch 4 Lehrer mit Anstellungsvertrag, die eigentlich Lehramt für Gymnasium bzw. Realschule studiert hatten.
Die hohen Versetzungsquoten der jungen, für das Lehramt an Grund- und Mittelschulen ausgebildeten, Kolleginnen und Kollegen zumeist nach Oberbayern machen den Schulbetrieb zu einem Verschiebebahnhof. Kontinuierliche unterrichtliche und pädagogische Arbeit ist mit ständig wechselnden Kollegien höchst schwierig zu erreichen. Schulentwicklung wird fast unmöglich gemacht.
Wer verantwortlich für die anvertrauten Kinder denkt und handelt, muss die Forderung unterstützen, dass in Unterfranken ausgebildete Lehrkräfte in der Heimatregion bleiben können. Eine „Lex Bayerischer Untermain“ ist nötiger denn je.

Christa Chevalier-Eizenhöfer
2. Vorsitzende
BLLV Kreisverband
Aschaffenburg – Land