Es ist immer wieder ein besonderes Erlebnis und Vergnügen, ein Besuch im Aschaffenburger KirchnerHAUS, dem Geburtsort des berühmten Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner. Unsere Aschaffenburger Pensionisten und Gäste aus Obernburg nutzten eine der letzten Gelegenheiten zum Besuch der laufenden Ausstellung „Gegen alle Widerstände – Künstlerinnen der Moderne“. Anne Hundhausen, Mitglied im Vorstand des Kirchner-Vereins und bewährte Expertin, verstand es einmal mehr, unserer Gruppe in kurzweiligen 60 Minuten die Exponate und ihre Schöpferinnen nahe zu bringen. Nicht die Zahlen und Fakten waren Schwerpunkt der Führung, sondern die teils widrigen Lebensumstände, denn „bis weit ins 20. Jahrhundert mussten in Deutschland Frauen gegen Hürden kämpfen, um als Künstlerinnen wahrgenommen zu werden.“ „Der Zugang zu Kunstakademien blieb ihnen bis 1918 verwehrt, man verwies sie stattdessen in die Rolle der Muse oder in dekorative Damenkunst.“ Anne Hundhausen ging in ihrer lebendigen, anschaulichen Vortragsweise auf die ausgestellten Arbeiten und die Lebenswege bedeutender, aber auch bislang noch weniger bekannten Künstlerinnen ein. Sie ließ sich auf Nachfrage auf ein Rätseln über den Hut auf Paula Modersohn-Beckers Gemälde „Mädchen mit Strohhut und Kind“ ein und sinnierte gemeinsam mit den Gästen über die überaus schlanke Gestalt, „fast schon wie Barbie“, einer Skulptur von Emy Röder.
Im Anschluss an die Führung im KirchnerHAUS zogen wir um ins Weinhaus Stegmann zum Teil der Veranstaltung unter dem Motto „Kunst, Kommunikation und Kulinarik“. Von Frau Hundhausen erfuhren wir in einem angeregten Gesprächskreis mehr darüber, wie eine Ausstellung überhaupt zustande kommt und warum Sammler gar nicht so ungern ihre Kunstwerke für temporäre Ausstellungen ausleihen.
Das KirchnerHAUS ist Museum, hat weit über die Grenzen der Stadt einen ausgezeichneten Ruf und ist aus der Kunst- und Kulturlandschaft in Aschaffenburg nicht mehr wegzudenken. Frau Hundhausen machte, ohne etwas zu verraten, neugierig auf die nächste Präsentation im Schad-Museum. Wir bekamen denn auch nicht nur Appetit auf die deftigen Hausmannskostgerichte im Weinhaus, sondern auch auf weitere Entdeckungstouren zu den Kunstorten der Stadt Aschaffenburg.
Bilder von Petra Albert und Christa Chevalier

